Padgett Botschaften 1915 - Januar bis August

Vergebung und göttliche Barmherzigkeit

Ann Rollins - empfangen durch James Padgett am 31. März 1915, Washington, DC, USA.

Ich bin hier, Deine Großmutter.

Ich bin gekommen, um dir über die Vergebung und Verzeihung des Vaters zu schreiben, und um dich über das Thema aufzuklären, das so wenig verstanden worden ist, seit die Menschen begannen, die Lehren des Meisters zu verdrehen.

Die Vergebung ist jenes Wirken der Göttlichen Vernunft, das den Menschen von der Strafe für die Sünden befreit, die er begangen hat, und es ihm erlaubt, sich von seinen bösen Gedanken und Taten abzukehren und die Liebe des Vaters zu suchen; und wenn er aufrichtig sucht, die Seligkeit zu finden, die auf ihn wartet, damit er sie erlangt.

Das verstößt gegen kein Gesetz, das Gott eingesetzt hat, um den Menschen daran zu hindern, den Strafen zu entgehen für den Verstoß gegen das Gesetz Gottes, das sein Verhalten regelt. Das Gesetz der Abgeltung - das was ein Mensch sät, das soll er ernten - wird nicht außer Kraft gesetzt. Aber im speziellen Fall, wenn ein Mensch bereut und in aller Ernsthaftigkeit zum Vater betet, damit Er ihm seine Sünden vergibt und ihn zu einem neuen Menschen macht, wird die Wirkung eines anderen und größeren Gesetzes aufgerufen. Das alte Gesetz der Abgeltung wird annulliert, und von der Macht dieses höheren Gesetzes der Vergebung und Liebe sozusagen geschluckt.

Du siehst also, keines der Gesetze Gottes wird außer Kraft gesetzt. Wie in der physischen Welt gewisse geringere Gesetze von größeren Gesetzen überschattet werden, so geschieht das auch in der spirituellen Welt oder im spirituellen Wirken, die größeren Gesetze müssen über die geringeren vorherrschen. Gottes Gesetze ändern sich niemals, aber die Anwendung dieser Gesetze auf besondere Tatsachen und Bedingungen scheint sich zu ändern. Wenn zwei Gesetze in offensichtlichen Konflikt geraten, muss das geringere dem größeren weichen.

Die spirituellen Gesetze sind genauso fix wie die physischen Gesetze, die das stoffliche Universum regeln. Und kein Gesetz, das für die selben Umstände gilt, variiert je in seiner Wirkung oder in seinen Folgen. Die Sonne und die Planeten werden in ihrer Bewegung von fixierten Gesetzen geregelt, und sie wirken mit einer derartigen Präzision, dass die Menschen, die diese Gesetze studieren und sie verstehen, mit fast mathematischer Genauigkeit die Bewegung dieser Himmelskörper vorausberechnen können. Das bedeutet bloß, dass, solange die Sonne und die Planeten so bleiben, wie sie sind, und von denselben Einflüssen umgeben sind und kein Gesetz antreffen, das entgegengesetzt zu den Gesetzen wirkt, welche sie normalerweise regeln, diese Planeten und die Sonne ihre Bewegung Jahr für Jahr in der gleichen Weise und mit der gleichen Präzision wiederholen werden. Aber nimm einmal an, dass ein mächtigeres und entgegengesetztes Gesetz in Kraft treten und die Bewegungen dieser Körper beeinflussen sollte. Würdest du einen Augenblick lang annehmen, dass sie denselben Kurs verfolgten, wie wenn so ein größeres Gesetz sich nicht eingemengt hätte?

Die Folge davon ist es nicht, ein geringeres Gesetz außer Kraft zu setzen oder es gar zu ändern, sondern es dem Wirken des größeren Gesetzes unterzuordnen. Wenn diese Wirkungen entfernt würden oder aufhörten in ihrer Aktion, dann würde das geringere Gesetz seinen Einfluss auf diese Planeten wieder aufnehmen, und sie bewegten sich dementsprechend, geradeso als ob seine Kraft niemals vom größeren Gesetz betroffen worden wäre.

Und so steht es um das Gesetz über die Abgeltung in der spirituellen Welt, wenn ein Mensch auf Erden Sünden begangen hat, dass er die Strafe für diese Sünden bezahlen muss, bis die volle Buße abgeleistet worden ist, oder bis dem Gesetz Genüge getan worden ist. Dieses Gesetz ändert sich nicht in seiner Wirkungsweise, und niemand kann die unerbittlichen Forderungen des Gesetzes vermeiden oder davor davonlaufen. Er kann von sich aus kein einziges Jota oder keine Tilde der Strafe vermindern, sondern muss die Rechnung bis zum letzten Pfennig begleichen, wie der Meister sagte. Und deswegen kann er sich nicht erhoffen, die Wirkungsweise des Gesetzes ändern zu können.

Aber nachdem der Schöpfer aller Gesetze ein anderes und höheres Gesetz bereitgestellt hat (das unter gewissen Umständen in Wirkung gesetzt werden und verursachen kann, dass die Wirkung des ersteren aufhört), kann der Mensch den Nutzen aus der Aktion des höheren Gesetzes erfahren. Wenn Gott also einem Menschen seine Sünden vergibt und ihn zu einem neuen Geschöpf in seinem Wesen und seiner Liebe macht, dann schafft er in diesem speziellen Fall nicht das Gesetz über die Abgeltung ab, sondern beseitigt den Grund für das Gesetz, in Wirkung zu treten.

Die Sünde ist ein Verstoß gegen das Gesetz Gottes, und die Folge der Sünde ist die Strafe, die der Verstoß hervorruft. Das Leiden eines Menschen wegen seiner Sünden ist nicht das Ergebnis der “speziellen Verurteilung” durch Gott in jedem einzelnen Fall, sondern ist das Ergebnis der Arbeit und der Qual des Gewissens und der Erinnerung. Solange das Gewissen arbeitet, wird er leiden; und je größer die begangenen Sünden sind, umso ärger wird das Leiden sein. Nun, das alles setzt voraus, dass die Seele eines Menschen in einem mehr oder weniger großem Ausmaße von diesen Erinnerungen erfüllt ist, die dann seine ganze Existenz bedeuten. Er lebt mit diesen Erinnerungen, und das Leiden und die Qual, die aus ihnen entspringen, können ihn nie verlassen, bis die Erinnerung an die Sünden oder deren Folgen aufhört, einen Teil von ihm zu bilden und nicht mehr sein ständiger Begleiter ist. Das ist das unerbittliche Gesetz über die Abgeltung. Und der Mensch kann von sich aus diesem Gesetz nicht entkommen außer durch diese lange Sühne, die die Erinnerung entfernt und dem Gesetz Genüge leistet.

Der Mensch kann dieses Gesetz nicht ändern, und Gott wird es nicht ändern. Deshalb, wie ich sage, ändert sich dieses Gesetz nie. Aber erinnere dich an diese Tatsache: Damit dieses Gesetz wirkt, muss ein Mensch diese Erinnerungen besitzen, und sie müssen einen Teil seines eigentlichen Daseins darstellen.

Nun, nimm einmal an, dass der Schöpfer dieses Gesetzes ein anderes Gesetz erschuf, wodurch unter gewissen Bedingungen und wenn der Mensch sich in einer gewissen Art verhält, diese Erinnerungen von ihm genommen werden und nicht mehr länger einen Teil seines Wesens bilden. Dann, so frage ich, was gibt es in oder von diesem Menschen, was das Gesetz der Abgeltung in Wirkung rufen könnte? Das Gesetz änderte sich nicht; es ist nicht einmal außer Kraft gesetzt. Aber das, was es in Wirkung ruft, existiert nicht mehr, und folglich gibt es keinen Grund oder Tatbestand, der es in Aktion setzt.

Deshalb sage ich wie eure Wissenschaftler und Philosophen, dass Gottes Gesetze fixiert sind und sich nie ändern. Aber ich sage weiters, was diese nicht wahrnehmen, nämlich dass, wenn gewisse Bedingungen, die diese Gesetze heute in Aktion rufen können, und das auch tun, morgen geändert werden oder aufhören zu bestehen, diese Gesetze dann nicht länger wirksam sind.

Wenn die Wahrheit über Gottes Vergebung der Sünden erklärt wird, strecken viele weise Männer ihre Hände in die Höhe und rufen: “Gottes Gesetze ändern sich nicht, und sogar Gott selbst kann sie nicht ändern. Um Sünden zu vergeben, müsste gegen das große Gesetz der Abgeltung verstoßen werden. Gott vollführt kein derartiges Wunder oder erteilt einen speziellen Sündenablass. Nein, der Mensch muss die Strafe für seine Übeltaten zahlen, bis das Gesetz erfüllt worden ist.”

Wie beschränkt ist doch das Wissen der Sterblichen und auch der spirituellen Wesen über die Macht, die Weisheit und die Liebe des Vaters! Seine Liebe ist das Größte im gesamten Universum, und das Gesetz der Liebe ist das größte Gesetz. Jedes andere Gesetz ist ihm untergeordnet und muss im Einklang mit ihm arbeiten. Und die Liebe - die Göttliche Liebe des Vaters - wenn Sie dem Menschen gegeben worden ist, und er Sie besitzt, ist die Erfüllung jedes Gesetzes. Diese Liebe befreit den Menschen von allen Gesetzen außer dem Gesetz der Liebe selbst. Und wenn ein Mensch diese Liebe besitzt, ist er nicht mehr der Sklave eines Gesetzes und ist frei, wirklich frei.

Das Gesetz über die Abgeltung und alle Gesetze, die nicht mit dem Gesetz der Liebe in Harmonie stehen, finden keinen Angriffspunkt im Falle dieses Menschen. Gottes Gesetze werden wegen dieses Menschen nicht geändert, sie haben einfach kein Dasein.

Nun, alle Menschen, weise oder nicht weise, sollen wissen, dass Gott in Seiner Liebe und Weisheit ein Mittel bereitgestellt hat, wodurch der Mensch, wenn er das so will, dem unveränderlichen Gesetz über die Abgeltung entkommen kann und nicht mehr länger seinen Forderungen und Strafen ausgesetzt ist. Weiters, dass dies innerhalb des Begriffsvermögens und der Auffassung jeder lebenden Seele liegt, sei er nun ein Heiliger oder ein Sünder, ein weiser Mensch oder ein Dummkopf.

Der Verstand im Sinne der Bildung ist nicht davon betroffen. Aber der Mensch, der weiß, dass Gott existiert und ihn mit Nahrung und Kleidung versorgt als Ergebnis seiner täglichen Arbeit, genauso wie der große intellektuelle Wissenschaftler oder Philosoph kann den Weg zu diesen erlösenden Wahrheiten kennenlernen. Ich meine nicht, dass ein Mensch rein durch die Anwendung seiner geistigen Fähigkeiten den Nutzen für seine Erlösung aus dieser großartigen Vorsorge ziehen kann. Die Seele muss suchen, und sie wird finden. Und die Seele des Weisen ist vielleicht nicht so fähig zu empfangen wie die des Dummkopfes.

Gott ist Liebe. Der Mensch besitzt eine natürliche Liebe, aber diese natürliche Liebe reicht nicht aus, um es ihm zu ermöglichen, dieses große Mittel zu finden, von dem ich spreche. Nur die Göttliche Liebe des Vaters ist ausreichend, und Er wünscht, dass alle Menschen diese Liebe besitzen mögen. Sie ist gratis und wartet nur darauf, den Menschen geschenkt zu werden. Aber, so seltsam es auch scheinen mag, Gott wird nicht, und ich könnte sagen kann nicht, diese Liebe schenken, wenn der Mensch nicht danach sucht und um Sie in Ernsthaftigkeit und im Glauben bittet.

Der Wille des Menschen ist etwas wunderbares, und er steht zwischen ihm und dieser Liebe, wenn er versagt, diesen Willen zur Suche nach Ihr einzusetzen. Niemand kann sich diese Liebe gegen seinen Willen sichern. Wie wunderbar ist doch der Wille des Menschen, und dieser sollte ihn studieren und kennenlernen, welch großen Teil seines Wesens er doch darstellt!

Die Liebe des Vaters gelangt nur in die Seele eines Menschen, wenn er Sie durch das Gebet und im Glauben sucht. Und natürlich setzt das voraus, dass er will, dass Sie zu ihm kommt. Niemandem wird jemals diese Liebe verweigert, wenn er dementsprechend darum bittet.

Nun, diese Liebe ist ein Teil der Göttlichen Essenz. Und wenn ein Mensch Sie in genügendem Ausmaße besitzt, wird er zu einem Teil der Göttlichkeit selbst. Im Göttlichen gibt es keine Sünde und keinen Fehler; folglich, wenn der Mensch zu einem Teil dieser Göttlichkeit wird, kann keine Sünde und kein Fehler einen Teil seines Wesens formen.

Nun, wie ich gesagt habe, der Mensch, der diese Liebe nicht besitzt, hat seine Erinnerungen an die Sünde und die bösen Taten und muss gemäß dem Gesetz über die Abgeltung die Strafe dafür begleichen. Aber wenn diese Göttliche Liebe in seine Seele kommt, lässt sie diesen Erinnerungen keinen Platz mehr. Und wie er von immer mehr dieser Liebe erfüllt wird, verschwinden diese Erinnerungen, und nur die Liebe bewohnt seine Seele sozusagen. Deswegen verbleibt nichts in ihm, was dieses Gesetz in Wirkung rufen könnte, und der Mensch ist nicht länger sein Sklave oder ihm unterworfen. Diese Liebe reicht von sich alleine aus, um die Seele von jeglicher Sünde und jeglichem Fehler zu läutern, und um den Menschen in eine Einheit mit dem Vater zu bringen.

Das ist die Vergebung der Sünde, oder besser gesagt, die Folge der Vergebung. Wenn ein Mensch zum Vater um diese Verzeihung betet, so stellt Er sich nie taub, sondern sagt in Wirklichkeit: “Ich werde deine Sünden entfernen und dir meine Liebe geben. Ich werde das Gesetz über die Abgeltung nicht außer Kraft setzen oder ändern, sondern ich werde aus deiner Seele alles entfernen, was dieses Gesetz in Wirkung ruft. Dann wird es für dich sein, als ob das Gesetz nie bestanden hätte.”

Ich weiß aus der persönlichen Erfahrung, dass diese Vergebung real ist und wirklich existiert. Wenn der Vater vergibt, verschwindet die Sünde, und nur die Liebe besteht. Und diese Liebe ist in ihrer Fülle die Erfüllung des Gesetzes.

Lass die Menschen also wissen, dass Gott die Sünden vergibt. Wenn er vergibt, verschwindet die Strafe. Und wenn sie verschwindet infolge der Vergebung, dann wird kein Gesetz Gottes geändert oder übertreten.

Das war die große Mission Jesu, als er auf die Erde kam. Bevor er diese große Wahrheit lehrte, wurde die Vergebung der Sünden nicht verstanden, nicht einmal von den Hebräischen Lehrern. Ihre Doktrin war vielmehr Auge um Auge, Zahn um Zahn. Die Göttliche Liebe, wie ich Sie kläglich beschrieben habe, war unbekannt und wurde nicht gesucht - nur die Obhut und der Schutz und materielle Vorteile, die Gott den Hebräern geben konnte.

Die Göttliche Liebe, die in die Seele eines Menschen eintritt und von ihr Besitz ergreift, stellt die Neue Geburt dar. Ohne sie kann niemand das Reich Gottes sehen.

Mein lieber Sohn, ich habe dir eine lange und unvollkommenen Mitteilung geschrieben, aber sie enthält genug, damit die Menschen darüber nachdenken und meditieren. Wenn sie das tun und ihre Seelen dem Göttlichen Einfluss öffnen, werden sie wissen, dass Gott die Sünden vergeben und die Menschen von ihren Strafen befreien kann, sodass sie nicht den langen Zeitraum der Buße durchmachen müssen, den in ihrem natürlichen Zustand das Gesetz der Abgeltung immer verlangt.

Also, ohne weiter zu schreiben werde ich dir sagen, dass ich dich aus meinem ganzen Herzen und meiner Seele liebe, und ich bete zum Vater, dass er dir diese Große Liebe in Überfülle schenke.

Deine liebende Großmutter, Ann Rollins.

Deutscher Orginaltext von www.truths.com